Die Geschichte der Gothaer Orangerie

„Lustwandeln in der Orangerie“ ist dieses heitere Gemälde des Gothaer Künstlers Kai Kretzschmar betitelt, das ein idealisiertes Bild des Orangeriegartens zur Zeit Herzog Friedrichs III. von Sachsen-Gotha-Altenburg und seiner Gemahlin Luise Dorothée gibt. Das Werk (Acryl auf Leinwand, 50 x 70 cm, 2007) befindet sich im Privatbesitz des Künstlers. (Repro: AMC)
Ursprung der heutigen Gartenanlage ist der „Ordonnanzgarten“ genannte herzogliche Küchengarten, der im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts gegenüber dem Schloss Friedrichsthal angelegt und in den 1730er-Jahren zu einer Orangerie ausgebaut wird. 1747 wird die Anlage nach französischem Vorbild völlig neu geplant, doch können erst 1774 die letzten Arbeiten an den Gebäuden abgeschlossen werden. Die ursprünglich vorgesehene barocke Gartengestaltung wird nicht mehr verwirklicht, und schon 1775 werden an den Kalthäusern („Orangen-“ und „Lorbeerhaus“) die mittlerweile unmodernen Rokoko-Dekore der Fassaden entfernt.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wächst der Pflanzenbestand der Orangerie auf weit über 600 Bäume und mehr als 4.500 Topfpflanzen und genießt die Gartenanlage „den Ruf der ersten in Deutschland“. Ab 1827 gestattet der Herzog den Gothaer Bürgern fortan „an jedem Freytage“ den Besuch seiner Orangerie, deren Aussehen 1858 erstmals mit dem neuen Medium Fotografie für die Nachwelt festgehalten wird. Die Moderne hält Einzug, als 1863 im „Lorbeerhaus“ eine Telegrafenstation eingerichtet wird.
Das 20. Jahrhundert bringt die einschneidendsten Veränderungen. Vor dem Ersten Weltkrieg geht der Pflanzenbestand drastisch zurück, wird die Nutzung des Gartens als Orangerie aufgegeben und die Kalt- und Treibhäuser fortan für Lager- und Ausstellungszwecke genutzt. Die einst herzogliche und seit 1937 städtische Gartenanlage erleidet im Zweiten Weltkrieg schwere Beschädigungen. Der Abbruch des südlichen Treibhauses reißt 1955 eine Lücke in das Ensemble. Das „Orangenhaus“ wird Bibliothek (seit 1950), das „Lorbeerhaus“ ein Café (1960-1986). 1995 wird das Gartenparterre umfassend saniert, das „Lorbeerhaus“ verfällt zunehmend.
Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts bringt eine Renaissance der Orangerie. 2003 werden die Sanierungsarbeiten am Zaun und dem Eingangsportal des Gartens abgeschlossen, der ein Jahr später in den Besitz der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten übergeht. Die Stiftung beginnt 2005 mit dem Aufbau eines neuen Pflanzenbestandes und nimmt 2007 die Sanierung von „Lorbeerhaus“ und nördlichem Treibhaus in Angriff, wobei sie von dem Verein „Orangerie-Freunde“ unterstützt wird. Ab 2010 soll die Gartenanlage schrittweise als Schauorangerie gestaltet werden und später das Deutsche Orangeriemuseum beherbergen.