Die Orangerie im 21. Jahrhundert
2001
Nach jahrelanger Diskussion um den künftigen Spielbankstandort ist die Gothaer Orangerie als letzter Mitbewerber aus dem Rennen – den Zuschlag für die Thüringer Spielbank erhält die Landeshauptstadt. Der Zustand der für das Spielbank-Projekt freigehaltenen Gebäude („Lorbeerhaus“, Hofgärtnerhaus und Winterpalais) hat sich weiter verschlechtert.

Vom einst prächtigen Anblick der Orangerie war Ende der 1990er-Jahre nicht viel geblieben. Vor der grundlegenden Neugestaltung der Rasenflächen und der Sanierung des „Lorbeerhauses“ bot sich dem Betrachter dieses traurige Bild. (Foto: MRV)
2002
Erstmals seit dem Ende der Monarchie herrscht wieder höfischer Glanz in der Orangerie: Im Rahmen des II. Gothaer Barockfestes fährt Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg (dargestellt von Opernsänger Günter Köbrich) vierspännig vor und wird am Portal von Mitgliedern seines Hofstaates empfangen, die mit ihm durch die Anlage lustwandeln. Die Orangerie dient zudem als Kulisse für einige Szenen des historischen Spielfilms „Vive la joie! (Es lebe die Freude!)“ der Gothaer Hobby-Filmproduzenten Kai Kretzschmar und Andreas M. Cramer, der während des Barockfestes gedreht wird.

Müde vom Lustwandeln mit Seiner Hochfürstlichen Durchlaucht: Der herzogliche Oberkammerherr (Peter Meerbach, links) sowie der herzogliche Equipagenmeister (Axel Köhler) nebst seiner Gemahlin (Petra Köhler) gönnen sich in der Orangerie eine Pause. (Foto: AMC)
2003
Die Sanierungsarbeiten am Eingangsportal und dem Zaun der Orangerie werden nach mehrjähriger Dauer abgeschlossen. Die reichen Metallschmiedearbeiten (Akanthusblätter) des dreiteiligen Tores im Stil des Barock erstrahlen erstmals seit Jahrzehnten wieder in ihrer ursprünglichen Farbfassung in Grün und Türkis, das sächsische Rautenkranzwappen mit Herzogskrone in Rot, Grün und Gold. Die Abteilung Musikbibliothek der Heinrich-Heine-Bibliothek zieht aus dem nördlichen Treibhaus aus.

Seit 2003 erstrahlen der Zaun und das mit schmiedeeisernen Akanthusblättern reich verzierte dreiteilige Barockportal der Orangerie wieder in altem Glanz. Gekrönt wird das zweiflügelige Mitteltor seit 1774 vom sächsischen Rautenkranzwappen mit Herzogskrone - hier aufgenommen vor dem Hintergrund des mit dem großen Staatswappen verzierten Giebels des Schlosses Friedrichsthal. (Foto: AMC)
2004
Schloss und Park Friedenstein sowie die Orangerie gehen in den Besitz der 1994 gegründeten Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten über. Im nördlichen Treibhaus werden eine neue Heizung und eine Warmwassertemperierung eingebaut.
2005
Das nördliche Treibhaus wird im Winter 2005/06 erstmals wieder zur Überwinterung der Kübelpflanzen der Orangerie genutzt.

Blick in den Mittelpavillon des „Lorbeerhauses“ mit Resten der Ausstattung des Ende 1986 geschlossenen HO-„Orangerie-Cafés“ und der seit den 1980er-Jahren unveränderten Farbfassung des Raumes. Deutlich erkennbar sind die durch eindringende Feuchtigkeit verursachten Schäden am Putz von Wänden und Decke. (Foto: STSG)
2006
In der Fernsehsendung „Ein Schloss wird gewinnen“ des MDR gewinnen die Gothaer am 7. Mai durch ihre Anrufe überraschend 500.000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für die Sanierung des maroden südlichen Orangeriegebäudes, des „Lorbeerhauses“. Im Juni gründet sich der Förderverein „Orangerie-Freunde“ Gotha e.V., der im Herbst mit der Beräumung des ehemaligen HO-„Orangerie-Cafés“ beginnt. Auch der einstige Kaffeegarten hinter dem „Lorbeerhaus“ wird durch die Vereinsmitglieder vom über die Jahre dort abgelagerten Müll freigeräumt. Die Orangerie dient – wie schon in den Vorjahren – beim alljährlich stattfindenden Gothaer Barockfest im August als Kulisse für die Flaneure des Hofstaats Herzog Friedrichs III. von Sachsen-Gotha-Altenburg.

Farbenprächtiges Kostümspektakel zum VI. Gothaer Barockfest: ein Teil der Hofgesellschaft Herzog Friedrichs III. von Sachsen-Gotha-Altenburg vor dem nördlichen Treibhaus und dem „Orangenhaus“. (Foto: AMC)
2007
Im Frühjahr beginnt die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten mit den sanierungsvorbereitenden Arbeiten im Inneren des „Lorbeerhauses“: Zunächst werden der alte Putz sowie der Fußboden entfernt. Im April werden „Sina die Orange“ als Maskottchen der Orangerie sowie die Spendenaktion „Lust auf Orange!“ vorgestellt und geht diese Seite ins Internet. Im August dient die Orangerie zum VII. Barockfest als farbenprächtige Kulisse für die Flaneure des Hofstaates Herzog Friedrichs III. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Im Oktober wird das Gelände des „Kaffeegartens“ des ehemaligen HO-„Orangerie-Cafés“ auf der Südseite des „Lorbeerhauses“ beräumt, und an der Nordfassade beginnen die Sanierungsarbeiten. Im Oktober nimmt die von der Stadt neugeschaffene Parkverwaltung, die sich künftig um die Parkanlagen der Residenzstadt – und somit auch um die Orangerie – kümmern wird, ihre Arbeit auf. Im November stellt die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ihr zukunftsweisendes Konzept für die Einrichtung des künftigen deutschen Orangeriemuseums in der Gothaer Orangerie vor.

Im September 2007 wurde damit begonnen, die Terrassen und den Versorgungskiosk des 1963 angelegten und 1986 geschlossenen Kaffeegartens des ehemaligen HO-„Orangerie-Cafés“ auf der Südseite des „Lorbeerhauses“ zu beseitigen, um Platz für die anstehenden Bauarbeiten zu schaffen. (Foto: AMC)

Im Jahre 2007 ging es sichtbar voran am „Lorbeerhaus“: Im Oktober wurden die ersten Gerüste am Westpavillon gestellt und in den nachfolgenden Wochen das komplette Gebäude mit Planen verhüllt, hinter denen die Steinmetze die teilweise stark beschädigte Sandsteinfassade sanierten. (Foto: AMC)
2008
Der Westpavillon und das westliche Appartement des „Lorbeerhauses“ werden saniert, ebenso die komplette Fassade des Gebäudes. Im Rahmen des ersten Bauabschnitts wendet die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten rund 1,9 Millionen Euro für diese Arbeiten auf. Zwei Freiluftkonzerte locken im Sommer hunderte Gothaer in die Gartenanlage, ebenso wie die Flaneure des Hofstaates Herzog Friedrichs III. von Sachsen-Gotha-Altenburg zum VIII. Barockfest. Im Oktober werden erstmals seit rund einem Jahrhundert wieder Pflanzen (genauer: die 50 Lorbeerbäume des Orangeriebestandes) zur Überwinterung in das „Lorbeerhaus“ gebracht. Im selben Monat bezieht der Parkverwalter das modernisierte Büro im nördlichen Kalthaus. Im Dezember wird das teilsanierte „Lorbeerhaus“ offiziell eröffnet und vom Förderverein „Orangerie-Freunde“ auf dem Gelände des ehemaligen Kaffeegartens der 1. Orangerie-Weihnachtsmarkt veranstaltet.

Ein Zeichen für den Status der Orangerie als eine der künftigen Hauptsehenswürdigkeiten der Residenzstadt ist der Anfang 2008 erschienene Werbeflyer, der ausschließlich dem Orangeriegarten gewidmet ist. Auf sechs Seiten informiert er sowohl über Geschichte und Zukunft des barocken Gartenkleinods als auch die Arbeit des Fördervereins „Orangerie-Freunde“. (Foto: AMC)

Zum 1. Orangerie-Weihnachtsmarkt und der Eröffnung des teilsanierten „Lorbeerhauses“ (im Bild der Westpavillon) strömen am dritten Adventswochenende tausende Gothaer in den ehemaligen Kaffeegarten der Orangerie und bescheren dem Förderverein seinen bisher größten Erfolg. Der zweitägige Markt ist die erste Veranstaltung auf dem Gelände seit der Schließung des HO-„Orangerie-Cafés“ zum Jahresende 1986. (Foto: AMC)
2009
Bei einem Brandanschlag auf den Westpavillon des „Lorbeerhauses“ im April werden zwei Fenster und der gerade sanierte Innenraum schwer beschädigt. Der Verein „Orangerie-Freunde“ organisiert u.a. zwei Freiluftkonzerte sowie zwei Konzerte im „Lorbeerhaus“, veröffentlicht das Kochbuch „Lust auf Orange“ und einen Kalender. Im August wird das über 50 Jahre als verschollen geltende Gemälde „Südseite der Orangerie“ des Malers Joachim Hellgrewe von 1927 wiederentdeckt. Zum IX. Barockfest ist die Orangerie traditionell die Kulisse beim Flanieren des herzoglichen Hofstaates. Im Dezember zieht der 2. Orangerie-Weihnachtsmarkt auf dem Gelände des ehemaligen Kaffeegartens hinter dem „Lorbeerhaus“ erneut tausende Gothaer an.

Über 50 Jahre lang galt dieses Gemälde als verschollen. 1927 vom Landschaftsmaler Joachim Hellgrewe im Auftrag der Stadt für Werbezwecke (zur „Hebung des Fremdenverkehrs“, wie die erhaltene Ankaufsrechnung ausweist) angefertigt, verlor sich nach 1955 seine Spur. 2009 wurde das vergessene Werk in einem städtischen Lagerraum wiederentdeckt und restauriert. (Foto: TLZ/Bauer)

Immer wieder ein optischer Genuss: Im Rahmen des Barockfestes geben zahlreiche kostümierte Darsteller der blühenden Orangerie ein ganz besonderes Flair. (Foto: AMC)
2010
Dank einer Spende der „Orangerie-Freunde“ in Höhe von 20.000 Euro können die Folgen des Brandanschlags auf das „Lorbeerhaus“ beseitigt und die zerstörten Fenster ersetzt werden. In diesem Jahr finden so viele Veranstaltung in der Orangerie bzw. dem „Lorbeerhaus“ statt, wie selten zuvor in der Geschichte der Gartenanlage. U.a. je ein Konzert der Thüringen-Philharmonie, des Ensembles „Musica Florata“ und des Andreas-Geffarth-Duos, zwei Konzerte des Polizeimusikkorps Thüringen, darüber hinaus ein Tanztee, zwei Yoga-Übungseinheiten sowie eine Feierstunde für Hanns Cibulka im „Lorbeerhaus“. Der Verein „Orangerie-Freunde“ richtet sowohl den ersten 1. Orangerie-Gartenmarkt als auch den 3. Orangerie-Weihnachtsmarkt aus. Die Gartenanlage dient der Hofgesellschaft beim X. Gothaer Barockfest im August ebenso als prächtige Kulisse wie den Musikern der Thüringen-Philharmonie für ein PR-Foto.

Ein Zeichen sowohl für das hohe Ansehen der Gartenanlage als auch den Stolz der Goth'schen auf „ihre“ Orangerie ist das PR-Foto, mit dem die Thüringen Philharmonie seit August 2010 für sich wirbt. Bei bestem Wetter posierte das komplette Ensemble, das jährlich auch ein Sommerkonzert zugunsten der Orangerie gibt, vor dem Hintergrund des „Lorbeerhauses“. (Foto: foto-ed, Meiningen)

