Die Baumeister der Orangerie

Der zwischen den Schlössern Friedrichsthal (links unten) und Friedenstein (rechts oben) gelegene Ordonnanzgarten (4) mit Ordonnanzhaus (5) und „Orangenhaus“ (6) ist der Ursprung der heutigen Orangerie. Ausschnitt aus dem um 1738 von Matthäus Seutter geschaffenen Prospekt der „Hochfürstlichen Residentz Friedenstein und Hauptstadt Gotha“. (Repro: SAG)
Um 1710 entstand an der Allee vor dem Siebleber Tor, direkt gegenüber dem neuerbauten Schloss Friedrichsthal und unterhalb der östlichen Festungswälle des Schlosses Friedenstein, eine erster, noch recht schlichter Garten. Die Ordonnanzgarten genannte Anlage wurde wahrscheinlich von den Gothaer Hofgärtnern angelegt und diente in erster Linie als Küchengarten, d.h. zur Versorgung der Schlossküche mit Kräutern und Gemüse.
Um die wachsende herzogliche Sammlung von Orangeriepflanzen beherbergen zu können, wurde ein erstes Gewächshaus errichtet, das als Winterquartier diente, während die exotischen Gewächse im Sommer die Wege der terrassierten Gartenanlage säumten. Doch erst unter dem gothaischen Oberlandbaumeister Johann Erhard Straßburger erfolgte der planmäßige Ausbau des Ordonnanzgartens zu einer Orangerie, entstanden ab 1732 u.a ein Lusthaus und eine Fontäne. Straßburger gilt somit als erster Baumeister der Gothaer Orangerie.
► Kurzbiografie J.E. Straßburger
Mit deren kompletter Umgestaltung nach französischem Vorbild wurde 1747 der renommierte sachsen-weimarische Landesoberbaudirektor Gottfried Heinrich Krohne beauftragt, Straßburger war lediglich an den bauvorbereitenden Planungen beteiligt. Aufgrund von Intrigen am Gothaer Hof musste Krohne jedoch 1751 die Residenzstadt verlassen und konnte sein Werk nicht vollenden. Bei seinem Weggang aus Gotha stand lediglich das südliche Treibhaus.
Für ein knappes Jahr beaufsichtigte der gothaische Baudirektor Friedrich Joachim Stengel (1694–1787) interimsmäßig die Arbeiten, bevor Krohnes einstiger Schüler Johann David Weidner 1752 die Oberaufsicht über das gothaische Bauwesen und damit auch die Bauleitung der Orangerie übertragen wurde. Der Landbaumeister konnte jedoch erst 1774 die Arbeiten an der Gartenanlage abschließen.
In unterschiedlichem Maße haben sowohl Straßburger als auch Weidner ihren Anteil zum Entstehen des Gothaer Orangeriegartens beigetragen. Dass dieser jedoch aufgrund seiner reizvollen Anlage bereits Ende des 18. Jahrhunderts im Ruf stand, „einer der hervorragendsten seiner Art in Deutschland“ zu sein, ist in erster Linie dem Baumeister Gottfried Heinrich Krohne zu verdanken, der sich (obwohl seinerzeit in Ungnade gefallen) mit der Orangerie ein bleibendes Denkmal in der Residenzstadt geschaffen hat. Zu Recht gilt sie bis heute als schönste der von ihm entworfenen Gartenanlagen.

